Wieviel kostet ein Amerikanisches Miniaturpferd?

Diese Frage bekomme ich in fast allen Fällen als erstes zu hören, wenn jemand wegen einem meiner Verkaufspferde anfragt. „Wieviel kostet ein Amerikanisches Miniaturpferd?“ scheint für den Großteil der potentiellen Käufer eine wichtigere Rolle zu spielen als die Qualität und mögliche Eignung. Und nicht viele Käufer sind bereit, einen reellen Preis für ein „Produkt“ (in dem Fall ein solide und liebevoll aufgezogener und ggf. ausgebildetes Miniaturpferd) zu zahlen, der die „Produktionskosten“ auch nur annähernd deckt. Wozu sollte man auch so viel Geld bezahlen, wenn man im Kleinanzeigenmarkt immer wieder auch Minis – selbst welche mit AMHA Papieren – für wenige Hundert Euro inseriert sieht. Vielleicht ist es deshalb für den einen oder anderen künftigen Minipferd-Besitzer mal interessant zu erfahren, wie sich der Preis für ein Fohlen zusammensetzt.

Ein Wort vorab: Wir betreiben die Haltung – und in geringem Maß auch Zucht – von Miniaturpferden als reine Liebhaberei. Das heißt, wir versorgen und betreuen die Pferde in unserer Freizeit. Unsere Gesamtrechnung beinhaltet keinerlei aufgewendete Arbeitszeit, sondern nur Ausgaben wie Futter, Tierarzt etc., die tatsächlich auch bezahlt werden müssen.

 

RFM Fine Arts Dream Of Sunshine - Amerikanisches Miniaturpferd

Investition in hochwertige Zuchttiere

Die Voraussetzung für das Fohlen ist logischerweise eine gesunde und qualitativ möglichst einwandfreie Stute. Wir wollen ja schließlich züchten im Sinn von Verbesserung der Rasse bzw. der Elterntiere und nicht einfach aus zwei Pferden drei machen. Für eine gesunde Mini-Stute guter Qualität kann man grob geschätzt ab 5.000 Euro Anschaffungspreis veranschlagen. Der Preis kann im Ausnahmefall niedriger sein, die Skala ist jedoch genauso gut nach oben offen. Wir gehen optimistisch davon ausgehen, dass uns diese Stute im Lauf ihrer Zuchtkarriere 10 Fohlen bringt. Somit kann man je Fohlen 500 Euro rechnen, bis sich der Kaufpreis der Stute amortisiert hat.
Hinzu kommen Ausgaben für Tupferprobe, Ultraschall zur Feststellung der Trächtigkeit und ähnlichem. Diese Summe kann leicht mehrere Hundert Euro ausmachen, falls die Stute einen Keim hat. Wir denken wieder optimistisch und rechnen mit pauschal 100 Euro. Mit einem eigenen Stall und geringen Futtermengen für ein Mini halten sich die Unterhaltskosten im Rahmen. Ein wenig hochwertiges Kraftfutter schadet jedoch keiner Stute, dazu kommen Hufpflege, Investitionen an Stall und Anlage, Versicherung etc. – grob überschlagen etwa 600 Euro je Miniaturpferd und Jahr.

 

 

Jetzt kommt ein nicht ganz unentscheidender Teil – der Hengst. Die Decktaxe für Miniatur-Hengste mit AMHA und/oder AMHR Papieren liegt in Europa im Schnitt zwischen 500 und 3.000 Euro. Bleiben wir an der unteren Grenze und rechnen mit 500 Euro, zu denen jedoch noch Transport der Stute zum Hengst und zurück kommen und auch die Unterbringung während der Deckzeit. Da kommen je nach Entfernung gut und gerne nochmals mehrere Hundert Euro zusammen, wir veranschlagen in unserem Rechenbeispiel hierfür 250 Euro. Natürlich könnte der eine oder andere jetzt sagen „Ach, ich nehme doch den eigenen Hengst, dann fällt die Decktaxe schon mal weg“. An und für sich gut gedacht, nur kostet ein qualitativ hervorragender Deckhengst auch eine gute Summe Geld. Diese Anschaffung müsste dann ebenso in die Gesamtrechnung einfließen.

 

2016 AMHA European Championship Show

Qualität hat ihren Preis

Unser ungeborenes Fohlen hat uns bis jetzt schon beinahe 2.000 Euro gekostet. Verläuft die Geburt ohne Probleme, fallen dafür keine weiteren Kosten an. Bei Komplikationen, die bei Minis nicht selten sind, können allerdings sehr schnell auch Tierarzt- und Klinikrechnungen im vierstelligen Bereich auflaufen!
Das neugeborene Fohlen und die Mutterstute müssen bis zum Absetzen des Fohlens entsprechend versorgt werden. Dies beinhaltet regelmäßige Hufpflege und Wurmkuren sowie eventuell Zusatzfutter. Und auch die Registrierung bei den Rasseverbänden kostet Geld. Grob geschätzt kommen so nochmals 250 Euro zusammen, sofern es keine Erkrankungen o.ä. gibt. Unser 6 Monate alter Absetzer hat uns somit bei nüchterner und ehrlicher Überschlagung aller Ausgaben 2.250 Euro gekostet. Und in dieser Rechnung ist keinerlei Arbeits- oder Zeitaufwand enthalten: nicht für die tägliche Versorgung und Pflege, nicht für das Handling des Pferdekindes usw.. Trotzdem ist es eine Summe, bei der viele potentielle Käufer dankend abwinken, vor allem wenn es sich bei dem angebotenen Tier um ein Hengstfohlen handelt.

 

AMHA European Regional Championships 2017

 

Bei einem Mini, was schon im Show- oder Fahrtraining war und auch entsprechende Erfolge aufweisen kann, sieht die Rechnung noch mal ganz anders aus. Zusätzlich zu den Trainingskosten von etwa 350 Euro je Monat kommen die Kosten für die Shows (je Show ca. 300 Euro) hinzu. So hat man in ein oder zwei Jahren schnell eine Summe im fünfstelligen Bereich investiert. Dieses Geld sieht man bei einem eventuellen Verkauf selten bis nie wieder.

Vielleicht realisiert der eine oder andere potentielle Käufer jetzt, dass auch ein ganz kleines Pferd in den meisten Fällen nicht oder nur selten für wenige Hundert Euro zu haben ist. Nicht umsonst heißt es „“Qualität hat ihren Preis“. Und man sollte sich immer bewusst sein, dass selbst ein etwas höherer Anschaffungspreis den geringsten Anteil an dem bildet, was ein Pferd im Lauf seines Lebens an Ausgaben verursacht.